· 

Sobriety Spirit

Habe ich den Bezug zu meinem Blog verloren? Ich merke, wenn ich lange nichts mehr schreibe und die Abstände größer werden, dann traue ich mir nicht mehr ganz so viel. Ich muss dann irgendwie wieder einen mutigen Schritt auf meine eigenen Zeilen zugehen und mich innerlich beruhigen und mir selbst sagen, dass es nicht immer auf die Performance ankommt. Vielleicht mache ich auch in wenigen Fällen den Eindruck, aber ich habe oftmals Angst meine eigene Meinung zu äußern. Es ist ein bisschen so, als würde ich innerlich auf einen Shitstorm warten. Welche Texte werden hier eigentlich verlangt? Muss es immer darum gehen etwas mitzugeben, einen Tipp, hochwertigen Content, damit sich der Leser oder die Leserin so wohl wie möglich fühlt.
Aber eigentlich ist das hier doch mein Zuhause. Meine kleine, gemütliche Ecke, die ich mir eingerichtet habe und in der ich möchte, dass ich es schön habe und wenn ich es schön habe, dann hoffe ich im Gegenzug dazu auch, dass es andere Menschen hier schön haben werden.

 

In Bezug auf das "Sobriety Movement"  ist es ähnlich. Manchmal würde ich gerne lauthals aus mir herausbrüllen, was ich denke, welche Meinung ich vertrete und das ich nicht permanent Angst haben muss, rückfällig zu werden. Dass ich frei bin, dass ich unabhängig bin, dass ich nicht (mehr) Moment für Moment leben muss und einen roten Hacken in meinen Kalender eintrage, weil ich heute einen weiteren Tag geschafft habe nüchtern zu bleiben. Ich lebe. Das ist es. Ich lebe einfach. Ich habe auch nie Tage gezählt. Ich weiß nicht, wieviele Tage ich heute nüchtern und clean bin. Ist mir auch egal, denn mein Leben ist so oder so geil.

 

Und das ist eigentlich der Spirit, den ich vermitteln möchte. Ich möchte vermitteln, dass es leicht sein kann. Auch in einer Gesellschaft, in der Alkohol (und Drogen im Allgemeinen) so eine große Rolle zu spielen scheinen. Weil es in meiner Welt primär erst einmal um mich geht und in deiner Welt primär erst einmal um dich gehen sollte.

 

Manchmal denke ich auch, dass ich vielleicht die Funktion des Gehirns bis ins kleinste Detail erklären müsste und was Substanzen im Gehirn machen. Aber irgendwie habe ich dazu gar keine Lust. Ich schreibe lieber über Dinge, die ich wirklich erklären kann.

Das für immer

Ich weiß noch, wie mir ein "FÜR IMMER" große Angst bereitet hat. Aber heute denke ich gar nicht mehr über ein "FÜR IMMER" nach. Ich genieße mein nüchternes Leben.

 

Ich kann mich noch daran erinnern, als ich in meiner damaligen Nachsorgegruppe gesagt habe, dass ich die Nachsorge nun beenden möchte und ein Mann in der Runde meinte: "Wenn du nicht mehr in eine Gruppe gehst, dann wirst du es nicht schaffen." (oder so ähnlich) und das hat mich auf der einen Seite ängstlich und auf der anderen Seite wütend gemacht. Woher will der denn wissen, was in meinem Leben passieren wird? Ich bin doch nicht seine Geschichte und er nicht meine. Es geht doch darum, dass ich auf mich aufpasse. Ob nun mit einer Abhängigkeitsvergangenheit oder nicht, geht es doch so oder so darum, dass ich achtsam mit mir und meinem Leben umgehe. Das ist - so meine ich zumindest - die Aufgabe von uns allen, oder zumindest von denjenigen unter uns, die sich und ihr Leben zu schätzen lernen möchten.
Ich gehe in keine Gruppe und ich habe nicht das Gefühl, dass jeden Moment ein Rückfall droht und würde ich mich abhängig von einer Gruppe machen, dann wäre ich ja wiederum abhängig. Ich will aber einfach lieber unabhängig sein.

 

Natürlich ist es so, dass ich mich täglich mit diesem Thema beschäftige und dies ja auch zu meinem Beruf gemacht habe, aber nichtsdestotrotz würde es nichts an meiner Entscheidung ändern, wenn ich von heute auf morgen etwas anderes machen würde. Ich habe mir nämlich vorgenommen, dass ich nur noch Dinge in meinem Leben machen werde, auf dich ich wirklich Lust habe und die mir wirklich   Freude bereitet. (Das heißt jetzt aber natürlich nicht, dass ich nie wieder eine Steuererklärung machen werde.) 

Ich bin auch keine 12 Schritte durchlaufen. Vielmehr laufe ich jeden Tag ein paar Schritte mehr, denn jeder einzelne Tag gehört zu meinem Prozess mit dazu. Ich kann dir gar nicht mal sagen, wieviele Einzelschritte es waren. 
Ich würde auch niemanden sagen, dass du genau dies und jenes tun solltest, damit es funktioniert. Denn ich habe nicht die Gebrauchsanleitung für das Leben eines anderen Menschen. Ich habe ja nicht einmal eine Gebrauchsanleitung für mein eigenes (nüchternes) Leben bekommen. Von daher finde ich Aussagen wie "Du musst dies und das tun und nur so wirst du es schaffen."  sehr schwierig. Es ist dein Leben und du entscheidest, ich kann lediglich nur mit dir teilen, was mir ganz persönlich geholfen hat und dann kannst du mir zuhören und Dinge für dich ausprobieren. Das, was ich mir für dich wünsche ist, dass du dich traust auf die Reise zu gehen, dass du dich traust dich zu fragen, was du brauchst um nüchtern zu werden und nüchtern zu bleiben.

Nichtsdestotrotz gibt es dann dennoch eine Sache die du tun musst, um nüchtern zu werden. Du musst aufhören zu konsumieren, denn erst dann kann die Reise beginnen.

 

Oftmals höre und lese ich "Ich hoffe, morgen werde ich es schaffen.". Ab einem bestimmten Punkt habe ich aufgehört zu hoffen und mir selbst gesagt "Ich werde es schaffen.", denn wir glauben in vielen Fällen das, was wir denken, also können wir ja beginnen Dinge zu denken, die uns weiter bringen und nicht darauf hoffen, dass irgendwann wie von Zauberhand ein Wunder geschiet.

Spirit

Das ist der Spirit, den ich gelernt habe an den Tag zu legen. Und dabei ist nicht jeder Tag so, wie der andere. Aber ich weiß, dass ich Dinge kreieren kann und ich habe nun eine Vorstellung davon, was in uns allen steckt und wenn ich mir unsere rauschlos.Glücklich! Community so betrachte, dann sehe ich dort unfassbar starke Persönlichkeiten, in denen so viel Liebe, Einfühlungsvermögen, Kreativität steckt. Ich sehe nicht, dass wir klein und machtlos sind. Ich sehe viel eher, dass wir uns manchmal nicht trauen das zu sehen, was eigentlich in uns steckt.

Und dann ist da noch die Sache mit dem Universum. Ich habe nicht das Gefühlt, dass ich irgendetwas einer höheren Macht übergeben musste. Eher war das Leben immer an meiner Seite, egal, was ich davon gehalten habe. Ich glaube nicht daran, dass ich unabhängig geworden bin, weil ich meine Abhängigkeit an etwas abgegeben habe, was größer ist als ich. Ich glaube viel eher daran, dass ich endlich verstanden habe, dass das Leben immer für mich ist und keine Aufgabe absolut unlösbar ist. Ich vertraue meinem Leben mittlerweile und versuche mit diesem im Einklang zu sein. Auch, wenn es einmal Tage gibt, an denen es mir nicht gut geht. Diese Tage sind dennoch so viel besser als diejenigen, an denen ich noch konsumiert habe.

 

Mein Name ist Vlada und ich bin frei.

photo credits: Don Agnello; Nathan Dunnalo // unsplash


Kommentar schreiben

Kommentare: 0