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Bei mir bleiben. First things first.

Eigene Grenzen
Achtsamkeit

Was bedeutet das eigentlich, bei sich selbst bleiben? Wie fühlst sich das denn eigentlich an auf seiner eigenen Welle zu surfen, zwar nach links und rechts zu schauen, aber ganz genau zu wissen wer man selbst ist und wo man eigentlich hinmöchte. Sich selbst die beste Freundin sein. 

Als ich noch getrunken habe, war ich nicht mit mir selbst befreundet. Niemand ist mit sich selbst befreundet, der sich willentlich Ethanol und andere Substanzen im Übermaß in seinen Körper jagt. Als ich nicht mit mir befreundet war, bin ich auch nie bei mir selbst geblieben, sondern habe gegen Alles und Jeden gekämpft. Um mit dem Kämpfen aufzuhören und kritikfähig zu werden, hat es für mich bedeutet mir die Frage zu stellen, wer ich denn wirklich bin und welche Dinge eigentlich auch tatsächlich mit mir zu tun haben.

 

Wer bin ich tief im Inneren eigentlich und was haben meine Gefühle in bestimmten Situationen und bestimmten menschlichen Konstellationen eigentlich mit mir zu tun? Meine Gefühle gehören ja schlussendlich primär erst einmal zu mir selbst. Irgendetwas löst sie aus. Ein Mensch, eine Situation, eine Begegnung, ein bestimmter Geruch. Und dann steigt Energie in mir auf und manchmal ist sie so stark, dass ich in den Verteidigungsmodus wechseln möchte.

 

 

Du hast Schuld daran, dass es mir scheiße geht. Du hast Schuld daran, dass du falsch liegst, denn meine Sichtweise ist viel, viel richtiger als deine. Deswegen bin ich jetzt wütend auf dich. Du bist also Schuld daran, dass ich nun diese unangenehmen Gefühle aushalten muss. Aber eigentlich hat der andere gar nichts mit meinen eigenen Gefühlen und meiner eigenen Sichtweise zu tun.

Ich war ein manipulatives Miststück.

Das ist wirklich nicht sehr freundlich ausgedrückt. Aber zumindest die Manipulation und Theatralik wurden mir vorgerhalten.

„Ich doch nicht, ich bin nicht theatralisch. Der Grund, weswegen ich nun aus der Gruppe ausgeschlossen werde und mich meine Gruppenmitglieder nicht verstehen ist doch einzig und allein der Tatsache geschuldet, dass die anderen Menschen gemein sind. Sie haben kein Gefühl für mich und meine Situation, sie sind respektlos, nicht emphatisch, wollen mir nur etwas Böses und deswegen bin ich armes Ding jetzt schon wieder alleine. Immer und immer wieder alleine. Derweilen habe ich doch gar nichts gemacht. Mir geht es doch schlecht. Seht ihr das nicht? Mir geht es doch schlecht und ich bin klein und zerbrechlich und ihr tretet ohne Rücksicht auf Verluste auf mich drauf.“

 

So habe ich mich oftmals in meinem Leben gefühlt - klein und wehrlos. Das Problem dabei ist, dass dies niemand sieht. Wie Innen, so Außen bekommt dann wieder sehr, sehr viel Bedeutung. Wenn mein Innen nicht mit meinen Handlungen übereinstimmt, dann hinterlasse ich einen ziemlich schrägen Eindruck. Menschen merken, wenn ein anderer Mensch „schräg“ ist und versuchen diesen dann zu meiden. Der andere Mensch fühlt sich für uns nicht mehr stimmig an.

Selbstmitgefühl
I care about you

Und was hat das jetzt mit mir zu tun?

Alles. Wie du dich fühlst, wie du über dich denkst, wie du auf Situationen und andere Menschen reagierst, hat immer mehr mit dir zu tun, als mit der anderen Person. Das ist so leicht dahingeschrieben. Es kling fast schon so wie eine daher gesagte Floskel. Aber letztendlich stimmt das auch.

Mir fällt es nicht immer leicht, aber ich versuche mich in Situationen besser auszuhalten. Komme, was wolle. Es gibt einen Ort in mir selbst, diesen kenne ich noch nicht so lange beziehungsweise habe ich ihn vor Kurzem erst wieder neu für mich entdeckt. Aber es gibt so einen Ort in mir selbst, den würde ich als meine „neutrale Mitte“ bezeichnen. Einige nennen diesen Ort Liebe, oder Licht, aber für mich hat sich meine neutrale Mitte als sehr zugänglich bewehrt. An diesen Ort kann ich zu jeder Tages- und Uhrzeit zurückkehren und auf diesen Ort ist Verlass. 

Wenn wir in Konflikte geraten oder wir uns unverstanden fühlen, oder wütend sind, dann können wir uns fragen „Was würde die Liebe jetzt tun?“  Und da es mir schwer fällt an Liebe zu denken, wenn ich eigentlich soeben am Ausrasten bin und am liebsten meinen Rechner gegen die Wand werfen würde, frage ich mich lieber: „Was würde meine neutrale Mitte tun?“  (Unabhängig meiner aufbrausenden Gefühle und Gedanken)

 

Im Endeffekt habe ich folgendes eingeübt (beziehungsweise übe dies immer noch): Es gibt Situationen, die schleudern mich ein wenig durch die Gegend. Die Kommentare anderer Menschen, Sichtweisen anderer Menschen (die ich nicht verstehe, oder mit meinen eigenen frontal kollidieren), unvorhergesehene Ereignisse, Verständnislosigkeit, Ignoranz, Meinung, die so radikal sind, dass sie nicht mit meiner übereinstimmen. Solche Ereignisse lösen Gefühle in mir aus und manchmal schwappen diese regelrecht über. Diesen gebe ich einen Kanal, ohne, dass jemand dabei zu Schaden kommt (zumindest versuche ich das in den meisten Fällen so handzuhaben). Ich fange bildlich gesprochen den Energieball auf, so, dass er mich nicht erschlägt und werfe ihn dann weiter. Ich warte, bis nichts mehr an Gefühlsüberschuss da ist und frage mich dann, was meine neutrale Mitte tun würde. Welche Entscheidung würde sie treffen, wie würde meine neutrale Mitte die Situation bewerten, welches Verständnis würde sie meinem Gegenüber und mir selbst entgegenbringen. Ich versuche den Punkt in mir selbst zu finden, der ruhig reagieren kann, der die Situation klar einschätzen kann. Dies gelingt mal mehr und mal weniger und das heißt auch nicht, dass ich nie über das Ziel hinausschieße. Aber diese Strategie hilft mir (vor allem mir), bei dem zu bleiben, was wirklich wichtig ist und das bin ich selbst.

 

Meine innere Mitte ist quasi mein „Tool“, um mich selbst zu schützen, denn wenn ich angespannt, aufbrausend, verärgert oder sonst etwas bin, dann schade ich mir letztendlich doch nur selbst, denn ich fühle diese Gefühle und nicht mein Gegenüber. Und da wir bis dato gelernt haben, dass wir selbst Priorität Nummer 1 sind, gilt es auch die Gefühle sein zu lassen, was sie sind.

photo credits: privat; Jack B // unsplash


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