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12 Tipps gegen Suchtdruck

Suchtdruck ist ein ArschArsch
Tipps gegen Suchtdruck

Du denkst, Du hast alles unter Kontrolle. Du hast eine leise Ahnung davon, wie es sich ohne Verlangen, oder ohne permanentes Verlangen, oder ohne diesen Affen im Hirn anfühlen könnte. Der "Affe" – oder wie einige andere unter uns sagen: die "Weinhexe" – kommen und gehen, wann immer sie wollen. Sie fragen nicht, ob sie willkommen sind. Die sind da nicht sonderlich höflich. Denen ist es scheißegal wo Du gerade stehst und wie Du Dich fühlst. Die kommen, wenn Du Dich schlecht fühlst, die kommen, wenn Du Dich gut fühlst, die kommen sogar, wenn Du Dich gar nicht fühlst. Einfach so. Ohne Vorwarnung.

 

Die wollen sich bei Dir einnisten und Dein Hirn anknabbern. Sie brüllen auf Dich ein und fast könntest Du schon meinen, dass die Beiden tatsächlich existieren. So real kommen sie Dir vor.

Langsam, aber sicher fragst Du Dich, ob Du den Verstand verlierst. Würdest Du Dich sonst als mittel – bis überdurchschnittlich clever einstufen (weil du Angst davor hast, sonst als Hochstapler*in abgestempelt zu werden, da Dir dein Selbstwertgefühl einen Strich durch die Rechnung macht) hast Du das Gefühl, dass Du bei Weinhexe und Affe rein gar nichts mehr unter Kontrolle hast.

 

Dadurch, dass du Tätigkeiten, Gefühle und im Großen und Ganzen betrachtet eigentlich auch Dein gesamtes Leben für einige Zeit mit dem Stoff gekoppelt hast, ruft dich der Stoff natürlich bei den unterschiedlichsten Tätigkeiten, Situationen und Gefühlen. Einkaufen wird plötzlich fast unmöglich, weil Du am Weinregal vorbeimusst und Dir der Angstschweiß schon alleine bei dem Gedanken daran auf der Stirn steht. Vor dem Abend graut es Dir so oder so (und wenn Du dem Affen nachgibst, graut es Dir vor dem Morgen danach noch viel, viel mehr). Es ist nicht daran zu denken, in eine Bar zu gehen, da Dir der Übeltäter direkt in Dein hübsches Gesicht fassen kann. Sex ohne Drugs? No way!

„Hört das denn jemals auf?“

Fragst Du Dich.

Die ersten Tage ohne sind oftmals eine Qual. Nicht nur oftmals, sonders fast immer. Ich meine, körperliche Entzugserscheinungen wie Zittern, Schwitzen, wackelige Beine, nicht klar Denken können, Kribbeln, sind ja schon beschissen, aber der viel größere Abfuck wird der Affe in Deinem Hirn sein. Der Druck in der Brust. Das Pochen gegen deine Schädeldecke und die Stimme im Hirn listet Dir alle, wirklich alle erdenklichen triftigen Gründe auf, weswegen Du soeben Trinken oder Ballern solltest.

Gründe, warum Du nachgeben solltest:

  • Du hast es Dir verdient (schließlich hast Du so unfassbar lange durchgehalten)
  • Eigentlich hast Du gar kein Problem (da Du ja so lange durchgehalten hast), Du hast nur etwas übertrieben. Das tun Menschen nun einmal.
  • Heute hast Du es Dir aber wirklich verdient und morgen machst Du dann einfach weiter mit der Nüchternheit.
  • Die Kinder brüllen (falls Du Kinder haben solltest, ansonsten war der Tag einfach stressig, oder langweilig) oder irgendjemand oder irgendetwas raubt Dir den letzten Nerv - es gibt immer einen Grund). Der Affe schreit: "Anspannung + Stress => Alkohol/Drogen = die Lösung Deiner Probleme. (Der Affe hat Unrecht und die Hexe auch.)
  • Ich darf konsumieren, sonst werde ich nämlich nie wieder Spaß in meinem Leben haben (Denkste!)
  • Mein Mann (oder Frau) ist heute Abend weg. Ich habe sturmfrei. Niemand würde etwas mitbekommen. Nur noch dieses eine Mal. Niemand wird etwas mitbekommen. Los jetzt!
  • Ich kann das kontrollieren. Ich habe es vorher nie probiert, aber wenn ich nur all meine Willenskraft einsetze, kann ich Drogen kontrollieren. (Kannst du zaubern?)
  • Heute steigt ne Party. Auf Partys wir geballert. Wenn ich nicht baller, dann bin ich ein Loser. Ich will aber kein Loser sein. Affe, was sagst Du? Affe: "Baller! Denn wenn Du nicht ballerst, dann wirst Du ein Loser sein." (Warum redest Du eigentlich mit einem Affen?)
  • Alkohol gehört zu unserer Gesellschaft dazu. Ich darf trinken. Andere dürfen schließlich auch. Das ist unfair!
  • Ich habe Urlaub. Ich habe Entspannung verdient. Mit Substanzen lässt es sich so wunderbar entspannen.
  • Ich kann nicht schlafen. Nur mit Alkohol im Blut kann ich schlafen. Ich brauche Alkohol, sonst werde ich nie wieder in meinem Leben schlafen können.
  • Ich halte das nicht aus. Die Stimmen hören nicht auf. Ich halte das nicht aus. Der Affe diskutiert mit einer Hexe. Aber Hexen verstehen Affen eigentlich überhaupt nicht. Was ist das eigentlich für ein schräger Film? Ich will hier raus!
  • Ich fühle mich so gut, ich könnte saufen!
  • Heute habe ich Geburtstag und Geburtstagskinder dürfen sich etwas wünschen. Ich wünsche mir nen Kater, damit ich am nächsten Tag zu nichts mehr zu gebrauchen bin, schließlich werde ich ein Jahr älter sein.

Es gibt noch unzählige weitere Gründe, die Dir der Affe und die Hexe einreden wollen, weswegen Du auf die Nüchternheit verzichten solltest. Es wird möglicherweise Tage geben, an denen Dein Köper und Dein Geist schier unerträglich scheinen und Du am liebsten alles hinschmeißen möchtest. Das ist normal und das gehört zum Prozess dazu. Und glaube mir, ich weiß wie sich Suchtdruck anfühlt. Diese quälende Stimme in deinem Kopf, dieser eine Gedanke, der die ganze Zeit schreit:

 

„Saufen, saufen, saufen. Du musst jetzt saufen. Du hast gar keine andere Wahl, denn wenn Du das nicht tust, dann werde ich Dich fertig machen. Also los jetzt! Mach, mach, mach, mach!“

 

Aber lass Dir gesagt sein: Du hast immer die Wahl! Immer, immer, immer, immer hast Du die Wahl, ob Du konsumierst/ trinkst oder nicht. Die Entscheidungsfreiheit kann Dir keiner nehmen und diese hattest Du schon immer. Du hast es nur vergessen und Deine Hirnbahnen überspielt, sodass Du nun glaubst, dass Du keine Macht mehr hast. Aber die hast Du! Du bist weder die Stimme in Deinem Kopf, die Dich anzubrüllen versucht, noch bist Du Deine Gefühle. Du bist das, was dahintersteckt. Du hast die Macht zu beobachten und zu entscheiden, egal, was Verstand und Gefühl Dir zu vermitteln versuchen. Die letzte Instanz bist Du.

Akuter Suchtdruck

Akuter Suchtdruck ist unfassbar anstrengend. Das ist Fakt. Aber auch akuter Suchtdruck hält nicht für immer an. Er dauert maximal 20 – 30 Minuten. Ich meine, deine Gedanken könnten weiterhin kreisen, aber dieses schlimme Gefühl geht wieder vorüber. Deswegen ist es in den ersten Tagen auch so anstrengend und viele Menschen geben diesem Gefühl nach und fangen dann immer und immer wieder von vorne an und kommen nicht über die ersten ätzenden Tage hinaus und meinen dann, dass sie

  1. Zu schwach sind &
  2. Das Nüchternsein eine Qual ist.

Aber das stimmt nicht. Die Qual nimmt irgendwann ein Ende und flacht ab. Das, was in diesem Moment aus Dir heraus spricht, ist die Abhängigkeit. Hexe und Affe wollen Dich nämlich nicht gehen lassen. Die wollen Dich abhängig machen und versuchen alles, wirklich alles, damit Du auf sie reinfällst. Hexe und Affe wollen Dir einreden, dass Du ohne sie nicht leben kannst, aber führ Dir doch vor Augen, wo sie Dich hingebracht haben. Hexe und Affe halten ihre Versprechen nicht. Mit ihnen lebt es sich nicht entspannter, oder selbstbewusster, oder angstfreier, oder glücklicher. Das ist eine Lüge und das muss ich Dir hier leider auf diesem Wege mitteilen und damit musst Du jetzt leben und Affe und Hexe auf immer den Stinkfeiner zeigen. Das ist zwar auch nicht sonderlich höflich, aber es bleibt unter uns. Versprochen!

12 Tipps gegen Suchtdruck

o   Trinke so viel Wasser (mit Zitrone) sodass Dir fast schlecht wird und Du das Gefühl hast, dass Dir das Wasser aus den Ohren rauskommt. So überlistest Du deinen Körper. Da Du trinkst befriedigst Du schon einmal das orale Verlangen und dein Magen füllt sich, somit ist Dein Köper mit anderen Dingen beschäftigt.

o   Achte darauf, dass Du nicht über einen längeren Zeitraum mit leerem Magen umherläufst. Manchmal verwechseln wir Hunger mit Durst. Sprich, obwohl Du eigentlich Hunger hast meinst Du, dass Du etwas trinken solltest, um Dich besser zu fühlen.

o   Gibt dem Verlangen nach Süßigkeiten zunächst einmal nach. Dein Körper wird nun krampfhaft auf der Suche nach einem Kick sein und falls Du Substanzen und Alkohol nun lassen solltest, dann werden nun saure Ringe am Start sein. Das ist OK. Achte aber dabei darauf, dass Du Dich genügend bewegst und Dich zu den Hauptmahlzeiten gesund ernährst, um einen Ausgleich zu schaffen.

o   Oftmals koppeln wir bestimmte Tätigkeiten mit einem Verlangen. Wenn Du beispielsweise beim Aufräumen stets eine Flasche Wein getrunken hast, dann wird beim Aufräumen dieses Verlangen auch wieder auftreten. Sei Dir dessen bewusst und versuche Dich ganz achtsam schon darauf einzustellen und Dich immer und immer wieder für Dich und Deine Nüchternheit zu entscheiden

o   Reagiere Dich ab. Mache Sport (wenn Dir danach ist). Laufe wie wild durch den Wald, boxe in ein Kissen, oder tue etwas anderes, was Dir dazu verhilft der Anspannung einen Kanal zu bieten.

o   „Ich schaffe das. Ich bin stärker als das. Ich treffe die Entscheidung und werde stolz auf mich sein.“ Du kannst Dir einen kraftvollen Satz, oder ein Mantra, welches Dir besonders gut gefällt in schweren Momenten immer und immer wieder aufsagen.

o   Um dich und deinen Körper abzulenken hilft es, wenn Du Dich aus dem Moment reißt, indem Du zum Beispiel auf eine Chilischote beißt, dir Tigerbalsam unter die Nase reibst, oder den Saft einer Zitrone trinkst, oder Wasabi isst

o   Tue Dir etwas Gutes und versuche zu entspannen. Sei es durch Meditation, Yoga, einem warmen Bad, einer heißen Schokolade oder bei einem Spaziergang

o   Visualisiere, wie gut es Dir am nächsten Tag gehen wird, stell Dir vor, dass Du ohne Kater oder Downer in den nächsten Tag starten wirst. Stell Dir vor, wie gesund und leicht Du Dich ohne Alkohol und Drogen fühlen wirst.

o   Hör Dir an, was Affe und Hexe zu sagen haben und dann brülle innerlich wie ein Löwe und so laut es geht zurück: “Neeeeeeiiiiiiiinnnnnnnnn!!!!!!!!!!!“ (so mache ich das schon bei dem leisesten Gedanken an irgendein Suchtmittel) Ich brülle den Gedanken innerlich sofort an und sage mir, dass das der größte Quatsch und eine Lüge ist und ich nicht darauf reinfallen werde.

o   Rede mit Menschen, die Dich verstehen. Rufe Deine beste Freundin, besten Freund, Ehemann, oder deine Mutter an und rede Dir von der Seele, wie es Dir soeben geht.

 

 

In der Community kam der Tipp auf (der von Annie Grace und dem 30 - Days - Experiment stammt) den Suchtdruck als Kinder auf der Rückbank deines Fahrzeuges zu betrachten, welche ununterbrochen nach Eiscreme brüllen. Du kannst ihnen nicht rational vermitteln, dass Einscreme ungesund ist und mit ihnen vernünftig diskutieren. Die einzigen Möglichkeiten die Du hast, sind:

 

1.    Ablenken

2.    Ganz laut: „Schluss jetzt!“ brüllen.

Tipps gegen Suchtdruck
rauschlos.Glücklich! - Community

Und falls Du Dich alleine fühlen solltest und eine Community suchst, die sich gegenseitig pusht und mit Rat und Tat zur Seite steht, dann schau unfassbar gerne bei uns vorbei. Wir freuen uns auf Dich!

photo credits: adobe spark / unsplash: Delaney Dawson

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Kommentare: 1
  • #1

    Carsten (Sonntag, 24 November 2019 15:11)

    Hallo Vlada,

    mein Affe meldet sich täglich, obwohl ich ihn nicht will. Ich hab ihm den beschissensten Namen gegeben, der mir einfiel: Adolf-Saddam. Von dem lass ich mir nichts sagen, dem kann ich ein "Halt die Fr...e" entgegen schreien, den kann ich verachten. Er versuchts zwar trotzdem immer wieder, aber bisher erfolglos.

    Liebe Grüße
    Carsten