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12 Tipps gegen Suchtdruck

Suchtdruck ist ein ArschArsch
Tipps gegen Suchtdruck

Du denkst, Du hast alles unter Kontrolle. Du hast eine leise Ahnung davon, wie es sich ohne Verlangen, oder ohne permanentes Verlangen, oder ohne diesen Affen im Hirn anfühlen könnte. Der "Affe" – oder wie einige andere unter uns sagen: die "Weinhexe" – kommen und gehen, wann immer sie wollen. Sie fragen nicht, ob sie willkommen sind. Die sind da nicht sonderlich höflich. Denen ist es scheißegal wo Du gerade stehst und wie Du Dich fühlst. Die kommen, wenn Du Dich schlecht fühlst, die kommen, wenn Du Dich gut fühlst, die kommen sogar, wenn Du Dich gar nicht fühlst. Einfach so. Ohne Vorwarnung.

 

Die wollen sich bei Dir einnisten und Dein Hirn anknabbern. Sie brüllen auf Dich ein und fast könntest Du schon meinen, dass die Beiden tatsächlich existieren. So real kommen sie Dir vor.

Langsam, aber sicher fragst Du Dich, ob Du den Verstand verlierst. Würdest Du Dich sonst als mittel – bis überdurchschnittlich clever einstufen (weil du Angst davor hast, sonst als Hochstapler*in abgestempelt zu werden, da Dir dein Selbstwertgefühl einen Strich durch die Rechnung macht) hast Du das Gefühl, dass Du bei Weinhexe und Affe rein gar nichts mehr unter Kontrolle hast.

 

Dadurch, dass du Tätigkeiten, Gefühle und im Großen und Ganzen betrachtet eigentlich auch Dein gesamtes Leben für einige Zeit mit dem Stoff gekoppelt hast, ruft dich der Stoff natürlich bei den unterschiedlichsten Tätigkeiten, Situationen und Gefühlen. Einkaufen wird plötzlich fast unmöglich, weil Du am Weinregal vorbeimusst und Dir der Angstschweiß schon alleine bei dem Gedanken daran auf der Stirn steht. Vor dem Abend graut es Dir so oder so (und wenn Du dem Affen nachgibst, graut es Dir vor dem Morgen danach noch viel, viel mehr). Es ist nicht daran zu denken, in eine Bar zu gehen, da Dir der Übeltäter direkt in Dein hübsches Gesicht fassen kann. Sex ohne Drugs? No way!

„Hört das denn jemals auf?“

Fragst Du Dich.

Die ersten Tage ohne sind oftmals eine Qual. Nicht nur oftmals, sonders fast immer. Ich meine, körperliche Entzugserscheinungen wie Zittern, Schwitzen, wackelige Beine, nicht klar Denken können, Kribbeln, sind ja schon beschissen, aber der viel größere Abfuck wird der Affe in Deinem Hirn sein. Der Druck in der Brust. Das Pochen gegen deine Schädeldecke und die Stimme im Hirn listet Dir alle, wirklich alle erdenklichen triftigen Gründe auf, weswegen Du soeben Trinken oder Ballern solltest.

Gründe, warum Du nachgeben solltest:

  • Du hast es Dir verdient (schließlich hast Du so unfassbar lange durchgehalten)
  • Eigentlich hast Du gar kein Problem (da Du ja so lange durchgehalten hast), Du hast nur etwas übertrieben. Das tun Menschen nun einmal.
  • Heute hast Du es Dir aber wirklich verdient und morgen machst Du dann einfach weiter mit der Nüchternheit.
  • Die Kinder brüllen (falls Du Kinder haben solltest, ansonsten war der Tag einfach stressig, oder langweilig) oder irgendjemand oder irgendetwas raubt Dir den letzten Nerv - es gibt immer einen Grund). Der Affe schreit: "Anspannung + Stress => Alkohol/Drogen = die Lösung Deiner Probleme. (Der Affe hat Unrecht und die Hexe auch.)
  • Ich darf konsumieren, sonst werde ich nämlich nie wieder Spaß in meinem Leben haben (Denkste!)
  • Mein Mann (oder Frau) ist heute Abend weg. Ich habe sturmfrei. Niemand würde etwas mitbekommen. Nur noch dieses eine Mal. Niemand wird etwas mitbekommen. Los jetzt!
  • Ich kann das kontrollieren. Ich habe es vorher nie probiert, aber wenn ich nur all meine Willenskraft einsetze, kann ich Drogen kontrollieren. (Kannst du zaubern?)
  • Heute steigt ne Party. Auf Partys wir geballert. Wenn ich nicht baller, dann bin ich ein Loser. Ich will aber kein Loser sein. Affe, was sagst Du? Affe: "Baller! Denn wenn Du nicht ballerst, dann wirst Du ein Loser sein." (Warum redest Du eigentlich mit einem Affen?)
  • Alkohol gehört zu unserer Gesellschaft dazu. Ich darf trinken. Andere dürfen schließlich auch. Das ist unfair!
  • Ich habe Urlaub. Ich habe Entspannung verdient. Mit Substanzen lässt es sich so wunderbar entspannen.
  • Ich kann nicht schlafen. Nur mit Alkohol im Blut kann ich schlafen. Ich brauche Alkohol, sonst werde ich nie wieder in meinem Leben schlafen können.
  • Ich halte das nicht aus. Die Stimmen hören nicht auf. Ich halte das nicht aus. Der Affe diskutiert mit einer Hexe. Aber Hexen verstehen Affen eigentlich überhaupt nicht. Was ist das eigentlich für ein schräger Film? Ich will hier raus!
  • Ich fühle mich so gut, ich könnte saufen!
  • Heute habe ich Geburtstag und Geburtstagskinder dürfen sich etwas wünschen. Ich wünsche mir nen Kater, damit ich am nächsten Tag zu nichts mehr zu gebrauchen bin, schließlich werde ich ein Jahr älter sein.

Es gibt noch unzählige weitere Gründe, die Dir der Affe und die Hexe einreden wollen, weswegen Du auf die Nüchternheit verzichten solltest. Es wird möglicherweise Tage geben, an denen Dein Köper und Dein Geist schier unerträglich scheinen und Du am liebsten alles hinschmeißen möchtest. Das ist normal und das gehört zum Prozess dazu. Und glaube mir, ich weiß wie sich Suchtdruck anfühlt. Diese quälende Stimme in deinem Kopf, dieser eine Gedanke, der die ganze Zeit schreit:

 

„Saufen, saufen, saufen. Du musst jetzt saufen. Du hast gar keine andere Wahl, denn wenn Du das nicht tust, dann werde ich Dich fertig machen. Also los jetzt! Mach, mach, mach, mach!“

 

Aber lass Dir gesagt sein: Du hast immer die Wahl! Immer, immer, immer, immer hast Du die Wahl, ob Du konsumierst/ trinkst oder nicht. Die Entscheidungsfreiheit kann Dir keiner nehmen und diese hattest Du schon immer. Du hast es nur vergessen und Deine Hirnbahnen überspielt, sodass Du nun glaubst, dass Du keine Macht mehr hast. Aber die hast Du! Du bist weder die Stimme in Deinem Kopf, die Dich anzubrüllen versucht, noch bist Du Deine Gefühle. Du bist das, was dahintersteckt. Du hast die Macht zu beobachten und zu entscheiden, egal, was Verstand und Gefühl Dir zu vermitteln versuchen. Die letzte Instanz bist Du.

Akuter Suchtdruck

Akuter Suchtdruck ist unfassbar anstrengend. Das ist Fakt. Aber auch akuter Suchtdruck hält nicht für immer an. Er dauert maximal 20 – 30 Minuten. Ich meine, deine Gedanken könnten weiterhin kreisen, aber dieses schlimme Gefühl geht wieder vorüber. Deswegen ist es in den ersten Tagen auch so anstrengend und viele Menschen geben diesem Gefühl nach und fangen dann immer und immer wieder von vorne an und kommen nicht über die ersten ätzenden Tage hinaus und meinen dann, dass sie

  1. Zu schwach sind &
  2. Das Nüchternsein eine Qual ist.

Aber das stimmt nicht. Die Qual nimmt irgendwann ein Ende und flacht ab. Das, was in diesem Moment aus Dir heraus spricht, ist die Abhängigkeit. Hexe und Affe wollen Dich nämlich nicht gehen lassen. Die wollen Dich abhängig machen und versuchen alles, wirklich alles, damit Du auf sie reinfällst. Hexe und Affe wollen Dir einreden, dass Du ohne sie nicht leben kannst, aber führ Dir doch vor Augen, wo sie Dich hingebracht haben. Hexe und Affe halten ihre Versprechen nicht. Mit ihnen lebt es sich nicht entspannter, oder selbstbewusster, oder angstfreier, oder glücklicher. Das ist eine Lüge und das muss ich Dir hier leider auf diesem Wege mitteilen und damit musst Du jetzt leben und Affe und Hexe auf immer den Stinkfeiner zeigen. Das ist zwar auch nicht sonderlich höflich, aber es bleibt unter uns. Versprochen!

12 Tipps gegen Suchtdruck

o   Trinke so viel Wasser (mit Zitrone) sodass Dir fast schlecht wird und Du das Gefühl hast, dass Dir das Wasser aus den Ohren rauskommt. So überlistest Du deinen Körper. Da Du trinkst befriedigst Du schon einmal das orale Verlangen und dein Magen füllt sich, somit ist Dein Köper mit anderen Dingen beschäftigt.

o   Achte darauf, dass Du nicht über einen längeren Zeitraum mit leerem Magen umherläufst. Manchmal verwechseln wir Hunger mit Durst. Sprich, obwohl Du eigentlich Hunger hast meinst Du, dass Du etwas trinken solltest, um Dich besser zu fühlen.

o   Gibt dem Verlangen nach Süßigkeiten zunächst einmal nach. Dein Körper wird nun krampfhaft auf der Suche nach einem Kick sein und falls Du Substanzen und Alkohol nun lassen solltest, dann werden nun saure Ringe am Start sein. Das ist OK. Achte aber dabei darauf, dass Du Dich genügend bewegst und Dich zu den Hauptmahlzeiten gesund ernährst, um einen Ausgleich zu schaffen.

o   Oftmals koppeln wir bestimmte Tätigkeiten mit einem Verlangen. Wenn Du beispielsweise beim Aufräumen stets eine Flasche Wein getrunken hast, dann wird beim Aufräumen dieses Verlangen auch wieder auftreten. Sei Dir dessen bewusst und versuche Dich ganz achtsam schon darauf einzustellen und Dich immer und immer wieder für Dich und Deine Nüchternheit zu entscheiden

o   Reagiere Dich ab. Mache Sport (wenn Dir danach ist). Laufe wie wild durch den Wald, boxe in ein Kissen, oder tue etwas anderes, was Dir dazu verhilft der Anspannung einen Kanal zu bieten.

o   „Ich schaffe das. Ich bin stärker als das. Ich treffe die Entscheidung und werde stolz auf mich sein.“ Du kannst Dir einen kraftvollen Satz, oder ein Mantra, welches Dir besonders gut gefällt in schweren Momenten immer und immer wieder aufsagen.

o   Um dich und deinen Körper abzulenken hilft es, wenn Du Dich aus dem Moment reißt, indem Du zum Beispiel auf eine Chilischote beißt, dir Tigerbalsam unter die Nase reibst, oder den Saft einer Zitrone trinkst, oder Wasabi isst

o   Tue Dir etwas Gutes und versuche zu entspannen. Sei es durch Meditation, Yoga, einem warmen Bad, einer heißen Schokolade oder bei einem Spaziergang

o   Visualisiere, wie gut es Dir am nächsten Tag gehen wird, stell Dir vor, dass Du ohne Kater oder Downer in den nächsten Tag starten wirst. Stell Dir vor, wie gesund und leicht Du Dich ohne Alkohol und Drogen fühlen wirst.

o   Hör Dir an, was Affe und Hexe zu sagen haben und dann brülle innerlich wie ein Löwe und so laut es geht zurück: “Neeeeeeiiiiiiiinnnnnnnnn!!!!!!!!!!!“ (so mache ich das schon bei dem leisesten Gedanken an irgendein Suchtmittel) Ich brülle den Gedanken innerlich sofort an und sage mir, dass das der größte Quatsch und eine Lüge ist und ich nicht darauf reinfallen werde.

o   Rede mit Menschen, die Dich verstehen. Rufe Deine beste Freundin, besten Freund, Ehemann, oder deine Mutter an und rede Dir von der Seele, wie es Dir soeben geht.

 

 

In der Community kam der Tipp auf (der von Annie Grace und dem 30 - Days - Experiment stammt) den Suchtdruck als Kinder auf der Rückbank deines Fahrzeuges zu betrachten, welche ununterbrochen nach Eiscreme brüllen. Du kannst ihnen nicht rational vermitteln, dass Einscreme ungesund ist und mit ihnen vernünftig diskutieren. Die einzigen Möglichkeiten die Du hast, sind:

 

1.    Ablenken

2.    Ganz laut: „Schluss jetzt!“ brüllen.

Und falls Du Dich alleine fühlen solltest und eine Community suchst, die sich gegenseitig pusht und mit Rat und Tat zur Seite steht, dann schau unfassbar gerne bei uns vorbei. Wir freuen uns auf Dich! Den Zugang zur Community erhältst Du, bei Buchung einer meiner Kurse.


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Kommentare: 22
  • #1

    Carsten (Sonntag, 24 November 2019 15:11)

    Hallo Vlada,

    mein Affe meldet sich täglich, obwohl ich ihn nicht will. Ich hab ihm den beschissensten Namen gegeben, der mir einfiel: Adolf-Saddam. Von dem lass ich mir nichts sagen, dem kann ich ein "Halt die Fr...e" entgegen schreien, den kann ich verachten. Er versuchts zwar trotzdem immer wieder, aber bisher erfolglos.

    Liebe Grüße
    Carsten

  • #2

    Theresa (Dienstag, 07 Januar 2020 07:53)

    Oh mein Gott!!!!!! AHHHHHHHHHH... ist dein Artikel gut!! Ich lese und lese und fühle & spüre jedes Wort und jeden Buchstaben, als ob die Buchstaben sich einbrennen, durch meine Adern fließen, meine Gedanken beeinflussen, mich mutiger, lebendiger, kämpferischer und stärker machen lassen. DANKE!!! Heute bin ich stark! Ich schaffe diesen Tag! Heute scheint die Sonne, auch wenn’s regnet. Ich werde lachen, auch wenn ich weine. Ich sehe den Löwen in mir brüllen, sein Maul weit aufreißend, seine Zähne flutschend such wenn ich optisch, äußerlich wie eine Maus erscheine. Ich habe es dank dieser Worte in meinem denkerischen Kampfgeist und kreativen Antisuchtkampf geschafft gestern nicht zu saufen. Heute gehts weiter!!!
    Nochmal: Danke Vlada für deine Worte ❤️

  • #3

    Katrin (Montag, 27 Januar 2020 15:20)

    Sehr sehr guter Blog.Also mir hat mein Therapeut erstmal erklärt was mein Hirn tut, wer ist "ich" Ego und Gedanken das das die Auswirkungn sind was ich glaube. Und das ich denen nicht mehr Glauben muss. Beobachten und schauen. Das ist sehr viel Training. Nur mir leuchtet ein das ich irgendwann dem halt geglaubt hat und ich kann nichts dafür! Nach dem ich begriff das ich immer ok war und bin und nicht erst alles mögliche lösen muss umd endlich frei zu seinund aufzuhören sondern es gleich sein kann, wandelte es ich. ich arbeite in Therapien ja drauf hin habe ich alles verstanden gelöst dann ja dann bin ich freil Neinbin ich immer.!! Ich habe verstanden wie wichtig es ist zu schauen wie rede ich mit mir und welchen Worten glaub ich. Suchtdruck war wie ein gemeisselt. Das wollte ich mir nicht nehmen lassen.Nicht ich kann es doch nicht. Ich bin seit 6 Jahren frei davon und es kommt immer mal wieder vor das gedanken sich in den Vordergrund drängen. Ich nehme sie bloss noch war und kämpfe nicht mehr dagegen und sie sind schnell weg.Wie andere Gedanken auch. Wollte ich gern mitteilen. Ihr seid NICHT eure Gedanken wählt weise und seit eurer Coach! Allen alles Gute.Und mir hat das Buch Sedona Methode geholfen. Fragetechniken.

  • #4

    Imke (Freitag, 07 Februar 2020 11:15)

    Danke!

  • #5

    Sarah (Donnerstag, 27 Februar 2020 01:11)

    Dein Blog ist gut, nur ich halt es grad so schwer aus. Ich bin seit über 2 Jahren clean. War 2 Jahre auf Therapie und habe viel mitgenommen. Gerade kann ich nichts umsetzen. Solch einen Suchtdruck hatte ich seit 1 1/2 Jahren nicht mehr. Ich kann an nichts anderes denken. Ich kenn den Auslöser dafür und habe das Gefühl so wehrlos zu sein gerade.

  • #6

    JuliaH (Montag, 29 Juni 2020 10:50)

    Danke für den Beitrag!
    Menschen, speziell junge Leute, müssen über die Gefahren von Drogen aufgeklärt werden!
Speziell laut https://www.mooci.org/blog/internationaler-anti-drogen-tag-kampf-den-drogen/ gibt es ja auch einige Beratungsstellen und Hotlines die Süchtigen helfen können.
    beste Grüße,
Julia

  • #7

    Rahel (Montag, 20 Juli 2020 01:25)

    Einen echteren positiveren und besseren Artikel habe ich bis jetzt noch nicht lesen dürfen.
    Ich bin nun unglaublich hoffnungsvoll.
    Danke für dieses Geschenk!

  • #8

    Sven (Freitag, 11 September 2020 14:41)

    Ja du sprichst mir aus der sehle immer wieder ein kampf der sich lohnt!!!! habe ihn diese woche leider verloren ich gebe nicht auf

  • #9

    Kiki (Sonntag, 08 November 2020 23:12)

    Ich hab grad meine letzte Zigarette geraucht...klingt wahrscheinlich lächerlich da andere Leute viel stärkere Süchte haben als Zigaretten...aber wollte mich trotzdem bedanken für dieTipps...die Vorstellung mit dem Löwen hat sowas von meinen Kämpfergeist geweckt....habe sogar richtig Lust mich mit dem Teufel in meinem Kopf anzulegen und ihn anzubrüllen und ihm endlich zu zeigen wer hier der Boss ist�� Danke��

  • #10

    Thomas (Montag, 16 November 2020 15:34)

    Danke!
    Das zu lesen macht es mir etwas leichter! Seit Tagen versuche ich mich herunter zu trinken, es gelingt halbwegs gut. Körperlich habe ich es mir schlimmer vorgestellt, aber das was in meinem Kopf abgeht ist schier unerträglich! Ich habe Angst den Verstand zu verlieren, ich könnte die Wände hoch gehen vor lauter Angst. Angst es nicht zu schaffen! Angst weiter zu trinken, Angst vor lauter Suchtdruck und Angst eben den Verstand zu verlieren. Mein Kopf redet mir ein dass es noch nie einen Süchtigen so hart getroffen hat, überhaupt noch nie ein Mensch so unsagbar abhängig war wie ich es bin. Ich kämpfe Stunde um Stunde. Das ist echt grauenhaft!

  • #11

    Trauerklos (Dienstag, 26 Januar 2021 01:21)

    Der Affe und die Hexe und der trauerklos sind eine jahrelange Symbiose eingegangen. Es fühlt sich an wie eine Kruste, Rost der sich über meinen Körper gelegt hat. Jedes Mal wenn ich versuche mich mit einem Ruck zu befreien bröselt etwas davon ab, aber anstatt, dass es sich wie Befreiung anfühlt, denke ich, dass ich etwas verliere. So bekannt und wertvoll. Sofort fangen der Affe und die Hexe an die abgebröckelten Stücke aufzuheben, mir zu präsentieren und wieder aufzutragen. Dann kommt die Trauer ins Spiel. Sie verleitet mich dazu, die Bröckel dankbar anzunehmen und mich unter ihnen einzuigeln. Bloß keine Bewegung. Es könnte ja die schmerzhaften Erinnerungen hervorholen. Bei jedem Rückschlag in meinem von Rückschlägen überhaupt nicht armen Leben waren der Affe und die Hexe meine Wegbegleiter, die sich als meine Heilsbringer tarnen. Für den Moment! Sobald ich ihnen nachgebe zeigen Sie jedoch ihr wahres Gesicht. Fangen an zu jaulen, zu brüllen zu tanzen und zu poltern. REINGELEGT! Hahaha. Du Idiot, du bist schwach, du kannst nix, nix, nix!

  • #12

    Sara (Sonntag, 21 Februar 2021 21:47)

    Hallo,

    Ich bin nun seit zwei Jahren (!) (für mich immer noch kaum zu glauben) beikonsumfrei.. Aber zur Zeit meldet sich das Verlangen nach Kokainund Heroin extrem. . Deshalb hab ich grad mal gegoogelt und diesen Beitrag hier gefunden.. Eigentlich alles gut erklärt und geschrieben.. Aaaaber. . . Im Moment fühl ich mich einfach wieder extrem hilflos..So als wären es die ersten Tage.. Ich hab sogar richtig Lust auf den Flash, Appetit auf den Geschmack... Obwohl ich genau weiß wo das wieder endet. . Und ich weiß das ich das absolut nicht mehr will..Keine Ahnung warum ich das hier überhaupt erzähle.. Ich wünsche allen weiterhin stark zu bleiben. .. UUnd wwerde es auch versuchen, wie jeden Tag..

  • #13

    Diana Werner (Dienstag, 23 Februar 2021 22:49)

    Ich hab gerade keine Kraft mehr...aber ich will nicht rückfällig werden!!! Das ist schlimmer als 10 Kinder auf einmal zu gebären...

  • #14

    Karin Charlotte (Donnerstag, 25 Februar 2021 21:03)

    Super formuliert und ich bin erleichtert,dass ich nicht alleine mit dem Affenzirkus bin.
    Ich kann es nicht ertragen, wenn im Spielfilm Rotwein getrunken wird...reagiere ich sofort mit Verlangen nach demselben...
    Bin froh,wenn dann Ladenschluss ist und ich nirgends Alkohol mehr kaufen könnte.
    Dann gehe ich Gassi mit p & p meinen 2 Hunden.
    Sofort ans Meer...
    Bin seit 26 Tagen und Nächten nüchtern.
    Morgen Suchtberatung/ Sozialbericht und dann Langzeittherapie...
    Endlich durchziehen.
    Etliche Versuche gescheitert.
    Diesmal nicht.
    Bin.jetzt 67 Jahre jung und wenn nicht jetzt....wann dann??!!!
    Kein Bock mehr auf Saufziege,geschwollene Augen und dumofbackiges Gesicht.
    Rote dicke Nase ...fettige Haare...geschwollene Knöchel..
    Hinfallen,blaue Flecken,angeknackste Rippen...
    Bähhh...
    Alles Schiete...
    Gedächtnislücken...
    Peinlichkeiten...
    Murks...
    Schwankend Gassi torkeln..
    Lallend nach den Hunden rufen...
    Peinlich....
    Eklig...
    Unnötig...
    Schluss damit...
    Ca*lotta


  • #15

    Jennifer (Sonntag, 24 Oktober 2021 09:00)

    Hallöchen..
    Was für ein Beitrag..ich lese alles was auf mich zutrifft.
    Lasst mich berichten...ein Drogenproblem hat mich , seit vor drei Jahren mein Vati gestorben ist , voll im Griff .
    Täglich sage ich mir Schluss und letzten Endes dann schaffe ich es wieder nicht.ich spüre meine körperlichen Probleme und mach trotzdem weiter..
    Im Moment kämpfe ich wieder sehr ..

  • #16

    JustSven (Donnerstag, 25 November 2021 07:45)

    Habe diesen Beitrag gelesen und auch die Posts der anderen Leidenden.
    Ich bin seit 2 Jahrzehnten Sexsüchtig und kann euch sagen, dass es absolut vergleichbar ist mit Affe und Hexe. Es fehlt also noch die olle Ziege ! Immer wieder rückfällig, immer wieder Schamgefühle, der Versuch aufzuhören, scheitern, Pornokonsum, Treffen im Wald, stundenlanges Selbstbefriedigen….Kontrollverlust. Jeder von Euch, der auf einer Seite wie dieser gelandet ist, der schon viele erfolglose Versuche hinter sich hat (so wie ich) sollte stolz auf sich sein !! Unser Kampf bleibt alternativlos…lasst uns die Kontrolle zurück erobern und Affe,Hexe und die olle Ziege dahin verbannen wo sie hingehören…in den Scheiß Zoo !
    Es grüßt Euch Sven, der seit 18 Tagen keine Selbstbefriedigung mehr betrieben hat, heute morgen fast ein Sexdate hatte und es im letzten Moment abgesagt hat und der sich fühlt als würde er platzen, keinen klaren Gedanken fassen kann und sich null auf etwas anderes konzentrieren kann….aber wisst ihr was….scheiß drauf….ich gebe nicht nach, nicht heute….über mehr muss ich mir jetzt keine Gedanken machen ! Ich wünsche Euch alle Kraft der Welt ihr Supermenschen !! Denkt dran…nicht heute !!

  • #17

    Jolene (Donnerstag, 09 Dezember 2021 17:39)

    Hallo zusammen �

    der Artikel ist toll geschrieben und beschrieben.

    Ich finde mich selbst wieder und mache jetzt nach 13 Jahren den hoffentlich letzten Entzug.

    Vor 2- 2 1/2 Jahren habe ich es geschafft den chemischen Drogen den Rücken zuzuwenden ohne jegliche Hilfe ganz alleine nach fast 10 Jahren Dauer Konsum. Mich holen diese Hexen und Affen manchmal noch ein und wollen mir diesbezüglich einreden das ich damit Spaß habe und glücklich bin.

    Jetzt mache ich bestimmt schon den 5 Entzug von Cannabis, dass mich seit 13 Jahren begleitet und es ist wirklich schwer für mich. 30 Tage sind geschafft und seit zwei Tagen habe ich so Lust zu rauchen … das zerrt sehr an mir und die Hexe und der Affe sagen komm einmal ist keinmal dann lässt du es wieder. Das schlimmere daran ist dann mein schlechtes Gewissen wo ich mich selbst fertig mache und verurteile….


    Danke für deinen Artikel.

    Ich verstehe alle Menschen die sowas durchmachen.

    Fühlt euch alle umarmt und ganz viel Liebe an euch alle ❤️

  • #18

    Eddy (Sonntag, 13 Februar 2022 19:09)

    Hallo zusammen,
    Der Blog ist sehr gut beschrieben gefällt mir gut.
    Ich war fast 2jahre in einer geschlossene Therapie und habe nicht viel mit genommen weil ich da viel scheiße gebaut habe und bin dan in ein Gefängnis gekommen da war ich 1jahr und 6monate und bin in Gefängnis rückfällig geworden und draußen ist es auch nicht so gut bin schon paar mal guckfälle gehabt mit Alkohol und Cannabis ich weiß einfach nicht weiter er geht einfach nicht weg ich kann nicht mehr es ist einfach nur noch alles anstrengend

  • #19

    Hannes (Donnerstag, 03 März 2022 21:26)

    Dieser Artikel ist so unglaublich wertvoll, auch wenn ich ,,nur" ein kleines Cannabisproblem habe. Nach 6 Monaten Dauerkonsum brauch ich einfach mal etwas Abstand und möchte für mindestens 4 Monate Pause machen, die ersten zwei Wochen ohne Weed waren bis auf 2 Ausnahmen tatsächlich ganz okay. Aber heute Abend hat der Affe wieder voll zugeschlagen aber nix da, ich bin stärker! Jetzt wird erstmal ne kleine Meditationssession eingelegt!

  • #20

    Ute Baumgarten (Dienstag, 26 April 2022 20:37)

    Eine tolle Seite, ich hoffe das ich den Affen und die Hexe überlisten kann. Bin gerade am Anfang mich zu lösen vom Alkohol und Zigaretten

  • #21

    Doreen (Donnerstag, 02 Juni 2022 16:02)

    Sucht hat nur Raum, wenn das Leben unausgefüllt ist. Ich könnte gar nicht meinen Interessen nachgehen, wenn ich mich betrinken würde. Ich lerne Fremdsprachen und brauche dafür einen klaren Kopf.

    Sucht Euch ein motivierendes Ziel im Leben, dann habt ihr gar keine Lust darauf, Euch zu betäuben!

    Kurzfristig in die Trickkiste zu greifen, um der Versuchung nicht zu erliegen, ist so nützlich wie das Bearbeiten von Fußpilz mit einer Schere!

    Gestaltet Euer Leben aktiv. Alkoholismus ist das Symptom eines passiven Lebensstils.

    Die destruktive Handlung konsequent durch ein langfristig ausgeübtes positives Verhalten zu ersetzen, ist der einzige zielführende Weg. Alles andere ist Spielerei. Vor allem der Tipp, sich mit Zitronenwasser abzufüllen, bis einem schlecht ist. Eine destruktive Handlung durch eine andere destruktive Handlung zu ersetzen ist Irrsinn!

    Ihr müsst ehrlich zu Euch selbst sein. Die Flucht in die Sucht ist ein Zeichen von Feigheit. Feigheit gegenüber dem Leben. Habt den Mut, Euer Leben zu gestalten. Macht Euch nicht freiwillig zu Opfern! Jeder Mensch wird in seinem Leben mit Herausforderungen konfrontiert. Wenn man sich dahinter versteckt, hat man nicht begriffen, dass es zum Menschsein gehört, Hindernisse überwinden zu müssen.

    Versucht nun nicht zu meinen, die Tragik Eures Schicksals sei besonders gravierend. Ich bin durch die Hölle gegangen und musste eine schwerwiegende posttraumatische Belastungsstörung überwinden. Mich hat es nicht zur Alkoholikerin gemacht, sondern zu einem starken Menschen, der sich auch weiteren Herausforderungen im Leben stellen wird.

    Es ist eine Entscheidung, die jeder Mensch für sich treffen muss. Mache ich mich zum Opfer der Umstände oder spiele ich die Karten, die mir gegeben sind, mit Kreativität und Neugier auf das Leben aus?

    Auch Ihr könnt das schaffen! Fangt mit kleinen Schritten an. Die Neugier auf mehr wird auf der Reise geweckt. Seid Euch kein Feind, sondern werdet zu einem Freund, der daran interessiert ist, dass Ihr das Leben erlebt und nicht im Rausch verschlaft.

    Ich wünsche Euch von Herzen Neugier auf das Leben.
    Doreen

  • #22

    Bea (Samstag, 18 Juni 2022 18:19)

    Hallo.

    Ich bin auf der Google-Suche nach "Suchtdruck bekämpfen" auf deiner Seite gelandet
    Ich bin heute seit 113 Tagen trocken und nun 23Tage, nach einer Langzeittherapie, wieder zu Hause.
    Suchtdruck habe ich seit dem täglich. Aber noch nie war es so schlimm wie heute!!!
    Getrunken habe ich schon mehrere Liter! Und dieses Mal verschwindet der Suchtdruck auch nicht!
    Nicht nach 30Minuten, nicht nach/bei einem langen Spaziergang, nicht nach/beim Hausputz...
    Nur noch 3 Stunden! Dann haben alle Läden zu!

    Aber danke für deinen wundervoll geschrieben Artikel.

    Und Doreen... Bevor du Menschen das Leben erklärst, musst du erstmal verstehen was eine Sucht mit einem macht!
    Aber dir herzlichen Glückwunsch das du ohne "Schaden" durch deine ptBs gekommen bist ��