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Sucht und Suche - Mein inneres Kind ist hängen geblieben.

Innere Kind Heilung
Suchterkrankung

 Sucht kann beschrieben werden als eigentliche Suche. Die Suche nach sich selbst, nach Liebe und Anerkennung. Die Suche nach dem verloren gegangenem Puzzleteil, welches ein Loch zu füllen vermag. In seinem Buch 'Krankheit als Weg' beschreibt Rüdiger Dahlke die Sucht als Ausweg, als Flucht. Die Flucht vor dem eigentlichen Problem, das Davonlaufen vor den innersten Wünschen. Die eigentliche Suche wird beendet, da der Süchtige sich seinem Schatten nicht zu stellen vermag. Der Süchtige sucht und sucht, jedoch an den 'falschen' Orten. Er sucht im Außen und versucht das Loch zu stopfen. Dabei übersieht er sich selbst, seine innersten Wünsche, die sich nur erfüllen können, wenn ich beginne in mir selbst zu suchen. An dem Ort, an dem zunächst einmal Dunkelheit herrscht. An dem ich meine Schattenseiten vorfinde. Doch wenn ich den Mut aufbringe, mich der vermeintlichen Dunkelheit zu stellen, finde ich vielleicht das verloren gegangene Puzzleteil vor und manchmal geschehen dann kleine Wunder.

 

Mein primäres Suchtmittel war Alkohol, meine Suche allerdings die Suche nach der heilen und konfliktfreien Welt. Ich habe wohl auf meinem Weg nicht gelernt, dass Konflikt- und Problemvermeidung nicht zur Problemlösung und Konfliktfreiheit beitragen. Ich habe den Weg der Betäubung gewählt, denn verschwommen sah meine Welt für mich irgendwie schöner, heiler aus. Ich habe einfach vergessen.

 

Ich suchte Nähe, Geborgenheit und Liebe. Betäubt konnten Hemmungen fallen und Kontakt entstehen, jedoch ohne Wahrhaftigkeit, ohne Tiefe. Ängste und Zweifel wurden heruntergespült und waren für Momente verschwunden. Ich war selbstbewusster, lockerer, redseliger und gelassener. Bis das eigentliche Leben, die Realität und meine Schattenseiten mich einholten. Das Spiel begann erneut. Nur habe ich die Spielregeln nicht verstanden, denn der Schatten will gesehen werden. Verschwommen in die Sonne blicken hilft dabei nichts, denn Schatten ist immer dort, wo auch Licht fällt.

 

Mit den Schattenseiten auseinandersetzen fällt schwer. Ich schaute lieber auf die Sonnenseite des Lebens. Mir fiel es schwer in Gedanken in die Vergangenheit zurückzukehren. Rational konnte ich mir die Dinge erklären, nur die Gefühle sind auf der Strecke geblieben.

 

Ich habe mich jahrelang selbst vermisst. Ich habe oft an die kleine Vlada gedacht. Ich war immer voller Zuversicht, voller Lebensdrang und Lebensmut und hatte große Träume. Als keines Mädchen habe ich einfach gelebt und mir den Kopf nicht zerbrochen. Ich wollte einfach nur SEIN und die ganze Welt aufsaugen. Ich war fasziniert von all den Dingen um mich herum. Voller Tatendrang.

 

Aber wann war denn der Moment, an dem ich mich verloren habe? In welchem Moment habe ich das kleine Mädchen stehen gelassen? Wann genau habe ich ihre kleine Hand losgelassen, bin weiter gestürmt und das kleine Mädchen stand ganz alleine da.

Mir fiel es sehr schwer Gründe zu suchen. Ich wollte beispielsweise meine Eltern nicht für meine Probleme verantwortlich machen. Ich wollte keinen Schuldigen finden. Ich war doch selbst der Chaot, der all die Dinge angerichtet hat. Ich habe doch die Entscheidung getroffen, mich zu betäuben, mich zu verlieren. Was haben denn andere Menschen damit zu tun?

Auf meinem Weg, auf meiner Suche, habe ich irgendwann verstanden, dass es nicht um Schuldzuweisungen geht. Es geht um das Verstehen. Verstehen, was auf dem Weg mit dem kleinen Mädchen passiert ist. Wie es sich gefühlt hat. In welchem Moment es Angst bekommen hat und nicht mehr weiter wusste und einfach stehen gelassen wurde und plötzlich die ganze Welt nicht mehr verstanden hat. Da stand es nun jahrelang und tappte im Dunklen.

 

Im Zuge meiner Therapie beschäftigte ich mich mit dem Thema 'Innere Kind Heilung'. Ein wunderbares und aufschlussreiches Buch war hierbei 'Das Kind in dir muss Heimat finden' von Stefanie Stahl.

Ich begegnete meinem Sonnenkind und meinem Schattenkind. Ich verstand, mit welchen Glaubenssätzen ich groß geworden bin. Warum ich mir diese tagtäglich vorpredigte und das bei mir im Kopf eigentlich den ganzen Tag lang Bullshit FM läuft.

 

Verstehen ist zwar ganz gut, rational habe ich ja alles auch immer ganz gut verstanden, aber fühlen ist noch viel besser! Im ersten Moment macht es natürlich Angst. Ich wusste nicht, was dann auf mich einströmen wird. Vielleicht kann ich diese Gefühlswelle alleine gar nicht halten? Vielleicht will ich ja gar nicht sehen, was ich da zu Gesicht bekomme?

Eines morgens setzte ich mich hin und schloss die Augen. Meditiert habe ich vorher schon ab und an mal, habe mich aber währenddessen noch nie so wirklich auf eine innere Reise begeben. Ich setzte mich also hin und machte los. Ich reiste tief in die Vergangenheit und packte meine Gefühle ein.

 

Und plötzlich stand es vor mir. Ein kleines Mädchen, eine kleine Vlada, die nur darauf wartete, dass die Große endlich mal vorbei kommt und aufhört sich tagtäglich Bullshit FM reinzuziehen.

 

Das war der Moment, an dem ein Damm gebrochen ist. Mir war nicht bewusst, wie sehr ich mich selbst vermisste und wie sehr mich dieses kleine Mädchen brauchte. Zum ersten Mal nach vielen Jahren habe ich es mir angesehen und ihm zugehört. Ich habe verstanden und der kleinen Vlada versprochen, dass ich sie jetzt wieder an die Hand nehme und nicht mehr loslassen werde. Dieses Gefühl war unbeschreiblich. Das war mein fehlendes Puzzleteil. Das Loch, welches gestopft werden wollte. Die Stimme, die gehört werden wollte. Ein Damm brach und Gefühle prasselten auf mich ein. Tränen rollten den ganzen Tag lang, bis die Flut verebbte und Stille einkehrte.

Das war das ausschlaggebende Erlebnis, die Reise und der Blick in mich hinein. Die kleine Vlada halte ich jetzt fest an der Hand und lasse sie nicht mehr los, das habe ich ihr/mir versprochen. Und Versprechen sollten gehalten werden!

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