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Selbstzweifel - Na, wie tief sitzt der Stock im Arsch?

Selbstzweifel. Wie gehe ich damit um?
Suchterkrankung

 Selbstzweifel. Kennst du gut, oder?

 

Musiktherapie (liebt man, oder hasst man – ein Zwischending ist selten). Wir saßen alle im Kreis. Es hieß, wir spielen jetzt das Kobold – Spiel. Das ist eigentlich ein Kinderspiel. Jeder sollte sich eine Trommel nehmen. Wir fingen also an zu trommeln und wer wollte, dem ist dann plötzlich ein Kobold in die Hände gefahren. Das hieß dann trommeln wie man wollte, einfach sinnlos darauf los trommeln. Da ging es um Loslassen und so. Um Kontrolle abgeben. Das ist ja gar nicht so mein Ding. Also trommelten wir alle so im Takt und dann kam bei dem einen oder anderen der Kobold vorbei. Ich saß da und dachte nur: 'Ohje, ist das jetzt dumm!' Wir sind alle Erwachsen, sitzen gerade im Kreis, trommeln vor uns hin und spielen das Kobold – Spiel – und sind dabei auch noch nüchtern. Aber mein Kobold hatte Sendepause. Eigentlich wusste ich auch nicht so richtig, wo der sich aufhielt. Wollte ich auch gar nicht wissen. Stunde vorbei, Gott sei Dank.

 

 Eine Woche später, wieder Musiktherapie. Dummerweise hat sich meine Therapeutin gemerkt, dass mein Kobold irgendwie nicht aufgetaucht ist. Mist! Also anderes Spiel. Diesmal ohne Kobold aber mit verschiedenen Instrumenten. Wir durften also wählen und spielen wie wir wollten. Einer nach dem anderen. Ich saß da und dachte: 'Was habe ich denn eigentlich für einen Stock im Arsch?' Ich war an der Reihe. Mein Puls war jetzt einfach mal doppelt so hoch. Ich setzte mich an das Klavier, alle warteten. Ich krempelte meinen Pullover hoch. 'Oh Gott, ich mache das jetzt wirklich.'

 

Und dann spielte ich einfach darauf los. Irgendwie. Und habe mich vorher gefühlt, wie vor einem wichtigen Auftritt, oder einer mündlichen Prüfung. Warum eigentlich?

Ende vom Lied: Ich habe es gemacht, alle haben gelacht und nichts außergewöhnliches ist passiert. Wozu dann die ganze Aufregung?

 

Kennst du das Gefühl? Diese Selbstzweifel? Fragen wie: 'Was sollen denn jetzt die Anderen von mir denken? Werden die Leute mich denn jetzt für dumm halten? Für nicht gut genug?'.

 

Wenn du einen Tag lang einmal deine Gedanken beobachten würdest, was würdest du dir den lieben langen Tag eigentlich alles so erzählen? Vielleicht Dinge wie: 'Ist doch klar, dass mir das passiert! Ich bin einfach zu blöd!' 'Logisch, dass ich das nicht schaffe, ich habe es einfach nicht drauf!' 'Ist doch klar, dass ich versage! Ich bin einfach ein Versager!' Eigentlich traurig, nicht? Und eigentlich auch ganz schöner Schwachsinn.

 

Ich habe jetzt damit aufgehört. Ich habe einen Tag lang beobachtet und war erstaunt darüber, was ich mir so alles permanent erzähle. Und habe beschlossen, dass der Großteil davon eigentlich gar nicht stimmt! Ich habe mich dann einmal vor meinen Spiegel gestellt und mich angeschaut und zu mir selbst gesagt: 'Weißt du was Vlada, du bist eigentlich eine coole Socke.' Das hat sich erst einmal blöd angefühlt aber: ich musste lachen. Und das habe ich dann jeden Tag zu mir gesagt. Bis aus 'coole Socke' 'Ich finde dich voll gut!' und aus 'Ich finde dich voll gut.''Ich habe dich lieb!' wurde.

 

Wir haben alle so unsere Glaubenssätze, mit denen wir aufgewachsen sind. Wir erzählen uns den lieben langen Tag irgendwelche Geschichten, von denen wir denken, dass sie stimmen und machen dann unser Leben dafür verantwortlich, dass es so ist wie es ist. Aber ich habe vor kurzem einen unglaublich cleveren Satz gehört. Achtung! Wie innen, so außen! Und irgendwie stimmt das auch. Wenn ich mir permanent erzähle, dass ich Dinge nicht erreiche, weil ich nicht gut genug bin, warum um alles in der Welt sollte ich sie denn dann erreichen?

 

Ich habe mir dann überlegt, wie ich denn eigentlich so mit 80 Jahren sein möchte. Wenn ich 80 Jahre alt bin und auf mein Leben zurück schaue, möchte ich dann sagen: 'Ach, eigentlich hätte ich gerne das gemacht, aber...!' Hätte, hätte Fahrradkette. Nee, will ich nicht!

Was heißt das jetzt also? Richtig! Stock aus dem Arsch und zwar sofort! Das tut vielleicht im ersten Moment etwas weh und ist ungewohnt, aber man gewöhnt sich ja bekanntlich an alles. Ich habe mir überlegt, wie ich mir denn eigentlich meine Freundschaften vorstelle? Oder meine Partnerschaft? Wie möchte ich eigentlich sein? Was möchte ich in meinem Leben erreichen? Was will ich sehen? Wie will ich arbeiten? Wie möchte ich mich fühlen? Da wird nämlich tatsächlich kein Kobold vorbei kommen und Dinge zu meinem Besten drehen. Nee, nee! Da muss ich nämlich mal der Kobold sein. Und irgendwie ist es doch dann auch egal, was die Anderen denken. Wichtig ist doch, was ich über mich selbst denke! Was du über dich selbst denkst!

Eine wundervolle Wegbegleiterin in manch verzweifelten Zeiten war hierbei Laura Malina Seiler. Sie bringt dir wieder das Träumen bei, das Kobold sein. In ihrem Podcast spricht sie jede Woche über ein Herzensthema und ihr Buch hat mich während meiner Therapie wieder träumen lassen, ohne Stock im Arsch. Probier's mal aus. (unbezahlte Werbung)

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