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Tequila oder Zitrone?

Mein Leben mit der Sucht.
Abhängigkeit

Wenn das Leben mir Tequila gibt, nehme ich jetzt die Zitrone!

Denn sauer macht lustig!

Über Jahre war es umgekehrt. Ich wählte den Tequila, liebend gerne auch ohne Zitrone. Ich hatte einen besten Freund und wir gingen buchstäblich durch dick und dünn. Ein bester Freund, der die Klappe hält, dem ich keine Rechenschaft schuldig war. Wir lernten uns kennen und verbrachten viele gesellige Stunden miteinander.

 

Wir verstanden uns gut, hatten zunächst keine Probleme. Schleichend breitete er sich in meinem Leben aus, stets war er an meiner Seite. In guten wie in schlechten Zeiten, wie es so schön heißt.

 

Ein bester Freund, der die Klappe hält, dem ich keine Rechenschaft schuldig bin.‘

 

Wir verheimlichten unsere innige Freundschaft. Nach Außen führten wir eine gesunde Beziehung. Schlugen zwar manchmal über die Stränge, aber alles schien ok. Waren wir alleine, wussten wir jedoch schnell, dass unsere Zeit doch alles andere als rosig war. Wir schwiegen und schluckten und setzten lieber die rosarote Brille auf, durch die wir rosarote Zeiten sahen.

 

Wir verheimlichten unsere innige Freundschaft.‘

 

Oftmals, schon vor Jahren, habe ich mir die Frage gestellt, ob unsere Beziehung nicht doch ein wenig bröckelt, ein wenig ungesund ist? Tief im Inneren kannte ich die Antwort, wollte sie aber nicht hören und redete mir die Dinge schön.

Ich sagte mir: ‚Andere trinken doch auch! Andere schlagen auch über die Stränge! Andere haben auch ihren Spaß, den Kater danach, feiern Feste wie sie fallen.‘

Zu Studienzeiten sagte ich mir: ‘Das ist eben meine Sturm und Drang Zeit.' Während meiner Zeit in Paris sagte ich mir: ‚ Hier genießt man guten Wein, Champagner und das Leben. Trinken gehört zur Kultur!‘ In Berlin sagte ich mir dann: ‚Freie Fahrt! Das ist die Partystadt schlechthin und andere gehen auch viel feiern und hängen abends in der Bar ab!‘

 

Tief im Inneren kannte ich die Antwort, wollte sie aber nicht hören und redete mir die Dinge schön.‘

 

Als das leise Gefühl immer lauter wurde, machte ich Tests, die mir die Frage beantworten sollten, ob zwischen der Freundschaft mit mir und dem Alkohol vielleicht doch etwas nicht ganz stimmte.

 

Ich laß Artikel und beantwortete Fragen wie zum Beispiel:

 

1. Trinken Sie häufiger mehr, als Sie vorhatten?

Antwort: Nein. Ich habe ja nie etwas vor. Und wenn ich 6 Gläser Wein vorhabe, dann trinke ich 6 Gläser Wein. Also easy!

 

2. Können Sie es kaum erwarten zu trinken oder denken Sie oft daran?

Antwort: Nein. Ich weiß ja, dass ich abends vermutlich etwas trinken werde, also brauche ich keine Gedanken daran verschwenden.

 

3. Trinken Sie, um Ihre Sorgen und Ihren Ärger wegzuspülen?

Antwort: Nein. Läuft doch alles prima! Ich habe eine Arbeit, gute Freunde, eine Familie und die alltäglichen Sorgen sind ja normal. Alles schick also!

 

4. Haben Sie Schuldgefühle, was das Trinken angeht?

Antwort: Shit! Da muss ich passen. Ja, die habe ich!

 

5. Macht Ihr Trinkverhalten Probleme, z. B. in der Beziehung, in der Familie?

Antwort: Lange Zeit Nein! Merkt ja niemand etwas!

 

6. Beschwert sich jemand regelmäßig darüber, dass Sie trinken?

Antwort: Nope! Denn die, die sich beschweren könnten, wissen nichts davon und die, mit denen ich etwas trinke, trinken ja auch und wissen nichts davon!

Haben Sie ein oder mehrere Fragen mit ‚Ja‘ beantwortet? Dann sollten Sie unbedingt fachlichen Rat und Hilfe in Anspruch nehmen, weil sonst schwerwiegende Probleme auf Sie zukommen. (Quelle: DHS)

Habe ich nicht! Nur eine Frage musste ich mit ‚Ja’ beantworten, also bin ich safe! Und das liebe Freunde war Bullshit und eine Lüge, die ich mir selbst erzählte!

 

Ca. 1,7 Millionen Menschen in Deutschland gelten als Alkoholabhängig. Laut DHS sind 4,8% der Männer betroffen und 2,0% der Frauen. Ich nehme an, die Dunkelziffer ist um einiges höher und ich nehme auch an, dass sich die wenigsten zunächst einmal eingestehen konnten, dass sie ein Problem haben, obwohl das Bauchgefühl etwas anderes sagte.

Die Frage, die ich mir selbst gestellt habe und die mir einen Schauer über den Rücken gejagt hat war: ‚Was macht allein der Gedanke daran von heute auf morgen komplett auf Alkohol zu verzichten und das ein Leben lang?‘

Und da musste ich auch passen. Dieser Gedanke machte Angst! Diese Vorstellung konnte und wollte ich nicht haben. Ich wollte kein Alkoholiker sein! Ich wollte nicht auf den Wein am Abend, die fetten Partys und geselligen Stunden in der Bar verzichten!

 

Also stütze ich mich auf die Fragen, von denen ich lediglich eine mit ‚Ja‘ beantwortete habe! Also hatte ich kein Problem- und das war die Lüge. Und Du so?

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