Bauchgefühl

Fühlst du hin?

Räume.

Räume. Raum. Ein Raum.

Wir räumen um. Räumen auf,

 schaffen Ordnung und Platz.

 Freiraum ist wohl wichtig. Wohl aber doch nicht das Wichtigste.

Zwei Menschen in vielen Räumen.

Ein Mensch in einem Raum. Des Öfteren sind es zwei.

Können oder wollen sich nicht trennen?

Ich bin mit dir. Möchtest du mit mir sein?

Komm, wir gehen gemeinsam!

Stellte schon so oft diese Frage.

Gleiche Fragen, gleiche Antwort.

Dennoch traue ich dir nicht wirklich über den Weg.

Warum haben es zwei Menschen nicht in vielen Räumen ausgehalten?

Zu nah, von jetzt auf gleich.

Einer war zu viel.

Freundschaft


In Knospen einer frühen Verbindung verrann in unserer Kinderhand die Zeit.

Aus Knospen sollten später Blumen erblühen.

Lächelnd schmerzende Bäuche halten, um zwischendrin die Tränen zu trocknen.

Im Wandel der Zeit beginne ich zu begreifen, für dich verliere ich mich nicht.

Dein schönes Herz in meinen Händen haltend.

Der ständige Begleiter meiner Zeit.

Will dich für immer bei mir tragen, in unserer begrenzten Ewigkeit.

 

Paris, 2013



Gefühle


Wo ist mein bauchgefühl?

Zu Studienzeiten meinte meine beste Freundin einmal zu mir: 'Vlada, irgendwie glaube ich, dass ich kein Bauchgefühl mehr habe. Es ist einfach weg.' Ich erwiderte: 'Ich auch!' 

Gefühl, das Bauchgefühl, ist das wertvollste Navigationssystem, welches uns die Natur zur Verfügung gestellt hat. Leider leben wir heutzutage mehr und mehr im Kopf. Wir rationalisieren, analysieren, denken durch, denken darüber nach, machen uns Gedanken. Und vergessen die Gefühle. Also denken wir unser Bauchgefühl ist verschwunden. Die Wahrheit ist, wir haben aufgehört hinzuhören. Der Kopf brüllt und der Bauch hält vor lauter Schreck den Rand.

Mein Exfreund meinte einmal zu mir: 'Vlada: Kopf, Herz und Bauch, die müssen im Einklang sein.' Natürlich wollte ich das in dem Moment nicht hören, weil wir uns mitten in der Trennungsphase befanden. Er hatte recht!

Heute bin ich für Gefühle! Ich höre wieder hin und lasse freien Lauf.

Und du?

Du bist wichtig!

Als Sie anfing zu weinen, saßen wir wie üblich im Kreis. Normalerweise fragt Sie, was wir uns heute noch gutes tun. Wir entgegnen: ‘Kuchen essen, Kaffee trinken, Musik hören, Lesen...'. All die zuvor als langweilig abgestempelten Dinge, die uns nun den Halt geben. Wir tun uns etwas gutes.

Als Sie anfing zu weinen, saßen wir im Kreis und warteten auf die Frage, überlegten uns schon, was uns denn heute noch gut tun würde. Ich hatte weder ein Buch dabei, noch Lust auf Kaffee und Kuchen, noch Lust auf Musik in meinen Ohren. Stille gab mir Halt. Stille in der großen Stadt.

 Als Sie anfing zu weinen, saßen wir im Kreis und Sie bat um Ruhe. Eine Minute lang. Ein Schauer durchzog unsere Körper.

 Als Sie anfing zu weinen, konnte Sie nichts sagen und Tränen rollten über ihre Wangen. Niemand von uns hatte Sie zuvor so gesehen.

 Als Sie anfing zu weinen, entschuldigte Sie sich für ihre Tränen. Sie liebt ihren Job und jeder Einzelne sei wertvoll und wichtig.

Als Sie anfing zu weinen, wurde mir zum ersten Mal klar, dass ich es hätte sein können und es wegen mir eine Minute lang still ist. Das wegen mir Tränen rollen und Schauer über Rücken laufen.

Als Sie anfing zu weinen, wurde uns klar, dass jemand von uns gegangen ist. Wegen einer Partydroge. Jemand der wichtig ist, jemand der Herzen berührt, der Menschen bewegt.

Ich ging zur Warschauer und stand an der Tram. Die Menschen zogen an mir vorüber, zogen weiter und vorbei. Ich stand an der Tram und starrte auf das Bild, welches sich in der Bahn spiegelte und ich sagte zu mir: 'Das hätte ich sein können. Wegen mir würden Tränen fließen und Leere entstehen und Schauer würden über Rücken laufen.'

Ich schaute in meine Geldbörse und beschloss: 'Ich hole mir jetzt Kaffee und Kuchen!'